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Mit freundlicher Genehmigung von Frank Cegla zur Veröffentlichung auf meiner HP!

NACH DER SCHAU IST VOR DER SCHAU

 

Subjektive Betrachtungen zum Ende des Ausstellungsjahres

 

Frank Cegla

 Vervielfältigungen jeglicher Art – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung des Autors. Als Vervielfältigung gilt neben Kopieren und Nachdruck insbesondere auch das Speichern auf Mikrofilm und elektronischen Datenträgern.

 

Schönheitsausstellungen sind Phänomen einer Gesellschaft, die dazu neigt, den Wert von Äußerlichkeiten sehr hoch zu bewerten. Letztlich entspringt das Ausstellen des beschleiften und gepuderten Hündchens wahrscheinlich derselben Motivation, welche Menschen dazu veranlasst, ihr vierjähriges Kind wie eine Prinzessin zu verkleiden und auf Tanz- oder Sangeswettbewerben zu präsentieren. Die Königsdisziplin ist das Ausstellen des eigenen Körpers. Falsche Haare, falsche Zähne, falsche Brüste – in der Summe oft ein komplett falscher Hase, doch es zählt der schöne Schein. Ob Miss oder Mister: Gegenüber den dort anzutreffenden - wahlweise anorexischen oder anabolikagestärkten - Gesamtkunstwerken sind die Aussteller von Hunden, Legehennen oder verspoilerten Golfs wahre Chorknaben auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Egal, wie auch immer der Blechpokal errungen wird: Offensichtlich erwärmt sein Glanz das eine oder andere Leben und tut dem Ego gut.

 

Außerdem fördert das Ausstellen des Hundes den Gemeinschaftssinn durch das Ausleben kollektiver Triebe. Es darf hemmungslos gekämmt, gefönt und gesprayt werden. Die Veranlagung zur Frisörin scheint fester im genetischen Potential des Homo Sapiens verankert als gemeinhin angenommen. Aussteller sind Wiederholungstäter. Was auch immer den Einzelnen dazu treibt, sich morgens um fünf auf die Autobahn zu begeben, sich am Zielort inmitten Hunderter Gleichgesinnter durch die Einlasskontrolle zu quetschen, dann den Tag in einer stinkenden und ohrenbetäubend lauten Halle zu verbringen und abends auf dem Rückweg noch ein paar Stunden im Stau zu stehen: Es macht Mensch und Tier riesig Spaß! Lassen Sie sich keinesfalls einreden, der Ausstellungsring sei humorfreie Zone. Das kann nur jemand behaupten, der keine Ahnung hat. Wahrscheinlich jemand, der nicht selbst ausstellt. Oder immer hinten landet.

 

Im und am Ring zählen – wie es sich für den wirklichen Sportsmann gehört – einzig und allein Dabeisein und Fairplay. Das wird zumindest kolportiert. Sollte bei jemandem aus unerfindlichen Gründen ein anderer Eindruck entstanden sein, wäre das höchst bedauerlich. Der Aussteller selbst tritt in verschiedenen Erscheinungsformen auf. Laut unbestätigten Berichten aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen sollen beispielsweise die folgenden Varianten zu beobachten sein:

  

Der „Eigentlich-will-ich-gar-nicht-Aussteller“ (EWGA)

 

Der EWGA ist eine Sonderform des „Ich-stelle-nur-ganz-selten-aus“ (ISSA). Er negiert beharrlich jegliche Ausstellungsambition. Trotzdem findet man ihn die gesamte Ausstellungssaison hindurch regelmäßig auf beinahe jeder Ausstellung im Inland sowie auch auf den mit wenig Aufwand (ca. zwei bis drei Tage Anfahrt auf befestigten Straßen) erreichbaren Ausstellungen im Ausland. Der EWGA tut auf jeder Ausstellung gerne so, als sei er mehr oder weniger zufällig anwesend: „Ich war gerade sowieso in der Nähe!“ Meist gibt er vor, um die Ecke in Urlaub zu sein oder Familienangehörige zu besuchen. Der EWGA fährt jährlich viele Tausende Kilometer für seine Ausstellungen, obwohl er laut eigener Aussage ja eigentlich gar nicht will. Der EWGA kann einfach nicht anders. Damit zeigt er laut Definition eindeutige Symptome eines schwer Suchtkranken. Der EWGA ist extrem ehrgeizig und gehört zu den echten Hardcore-Ausstellungs-Junkies. Er lässt sich nicht entmutigen. Unbeirrbar reist der EWGA durch die Jahre mit seinem Hund von Ausstellung zu Ausstellung in der festen Hoffnung, irgendwann einmal alleine in seiner Klasse zu stehen und die letzte Ölung – Entschuldigung, die letzte Anwartschaft - zu erhalten.

 

 Der Fremdvorführer

 

Der Fremdvorführer ist schwer in Mode. In heutigem Sprachgebrauch: very trendy. Der Fremdvorführer ist gerne ein Mann in mittleren Jahren. Er ist das natürliche Gegenstück zur Spezies „Stellst-Du-meinen-Hund-vor?“ Dies ist meist eine Frau in mittleren Jahren. Seltener sind Exemplare von weiblichen Fremdvorführern und männlichen „Stellst-Du-meinen-Hund-vor?“ Meist werden die entsprechenden Arrangements kurzfristig am Tage der Ausstellung getroffen. Welche Kriterien hierbei angelegt werden, erschließt sich Außenstehenden eher selten und bleibt das Geheimnis der Beteiligten. Zu vermuten ist, dass sie es selbst nicht wissen. Obwohl bei weitem kein Profi, gibt sich der Fremdvorführer dennoch gerne jovial und selbstbewusst: „Mädchen, das machen wir schon!“ Im Ring bemüht sich der Fremdvorführer mehr oder weniger pustend, das Gangwerk des Hundes zu präsentieren und dabei gleichzeitig den Bauch einzuziehen, um selbst Bella Figura zu machen. Derweil hofft Frauchen draußen, ihren Hund durch das Ausstoßen spitzer Schreie oder unterschiedlicher Zischlaute, alternativ durch das Hochwerfen mitgebrachten Spielzeuges oder bedauernswerter Kleintiere dazu zu bringen, schöne Öhrchen und einen langen Hals zu machen. Oftmals gibt es stattdessen jedoch ein langes Gesicht, wenn nämlich der Richter das verbotene Doublehandling mit Platzverweis ahndet. Hat der Fremdvorführer Erfolg, wertet er diesen als seinen persönlichen Verdienst und läuft den Rest des Tages mit stolzer Brust umher. Hat er keinen Erfolg, ist der Hund schuld. „Der läuft ja nur Pass!“ Hartnäckig hält sich das Gerücht: Der echte Könner führt seinen Hund selbst vor und vor allem alleine.

 

 Der Attestwedler

 

Der Attestwedler ist meist ein echter Routinier. Er weiß genau, dass sein Hund einen Fehler aufweist, welcher laut Standard ernste Konsequenzen für die Beurteilung des Hundes hat. Dies hält den Attestwedler nicht davon ab, seinen Hund immer wieder auf Ausstellungen zu präsentieren. Dafür hat der Attestwedler folgende Erfolg versprechende Taktik entwickelt: Zunächst tut er ganz unschuldig und reiht sich in die Reihe der Wettbewerber ein, als ob nichts wäre. Erst – und nur dann - wenn der Richter den Fehler des Hundes bemerkt, wird der Attestwedler urplötzlich aktiv. Dann zaubert er blitzartig ein Papier aus der Tasche, auf dem ein Mitglied der veterinärmedizinischen Zunft bescheinigt, dass dieser Fehler lediglich aufgrund eines Unfalles vorliegt und nicht etwa aufgrund eines angeborenen Defektes. Je nach Laune lässt sich der Richter davon beeindrucken. Unerfahrene Attestwedler-Neulinge erkennt man an übersteigerter Nervosität oder geröteten Wangen. Fleißige Attestwedler können ihren Hund über die Jahre bis in die Championklasse wedeln.

 

 Der Alleswisser

 

Der Alleswisser weiß alles. Vor allem weiß er alles besser. Weiß der Alleswisser mal nichts, tut er so, als ob er wüsste. Meist fällt ihm jedoch gar nicht auf, dass er nichts weiß. Der Alleswisser ist überzeugter Aussteller. Noch überzeugter ist er von sich und den eigenen Hunden. Gefragt oder ungefragt hat er zu jedem und über jeden etwas zu sagen. Er hat ein großes Mitteilungsbedürfnis und redet viel und laut, besonders auch am Ring. Oft redet der Alleswisser jedoch zu viel und zu laut. Dann staunt der Laie. Der Fachmann wundert sich. Oder er wendet sich mit Grausen und hält sich die Ohren zu. Der typische Alleswisser ist meist weiblich und bringt sich zur Ausstellung gerne sein eigenes Publikum in Form von Welpenleuten und anderen Abhängigen mit. Irgendwer muss ja schließlich zuhören. Ohne Rücksicht auf Kinder, Alte und sonstige Minderheiten breitet der Alleswisser sich mit seinem zwei- und vierbeinigen Clan vor Ort aus und blockiert sämtliche Zugänge zum Ring. Gerne kritisiert der Alleswisser öffentlich die Qualitäten anderer Hunde oder die des Richters. Manche Alleswisser glauben auch, mit dem Richter diskutieren und ihn belehren zu müssen. Pech, wenn man dann an den Präsidenten des VDH gerät. Dann dämmert dem Alleswisser kurzzeitig, dass es andere gibt, die noch mehr wissen. Das belastet ihn jedoch nicht dauerhaft. Gerne redet der Alleswisser nach der Ausstellung am Telefon weiter, bevorzugt mit anderen Alleswissern.

  

Der Ranschmeißer

 

Der Ranschmeißer ist leicht zu erkennen. Er ist – ob am Vorabend der Ausstellung am Biertisch oder am Tag der Ausstellung am Ring - grundsätzlich immer in der Nähe des Richters zu finden. Entweder ganz unauffällig oder auch weniger diskret. Der Ranschmeißer hat es nicht leicht. Sein Handwerk ist harte Arbeit. Er muss ja immer so tun, als ob er sich nicht ranschmeißt. Außerdem muss er sich von anderen Ranschmeißern unterscheiden, um den Richter auf sich aufmerksam zu machen. Dies geschieht mit unterschiedlichen Methoden. Beliebt ist es, den Richter in ein Fachgespräch zu verwickeln („Nein, diese Winkelung!“), organisatorische Fragen zu stellen („Wann ist eigentlich Mittagspause?“) oder sich vertraulich nach dem Befinden zu erkundigen („Lange nicht gesehen, was macht die Prostata?“). Andere bauen nicht auf das gesprochene Wort. Dann rutschen der Rocksaum nach oben und der Ausschnitt nach unten. Wenn die Aufmerksamkeit des Richters erlangt ist, ist es für den Ranschmeißer von entscheidender Bedeutung, dass der Richter zuverlässig seinen Hund zuordnen kann. Dafür hat er diesen zufällig gerade dabei und verweist auf dessen schönes lilafarbenes Halsband. Im Idealfall lässt sich beiläufig die Startnummer platzieren und die Erinnerung auffrischen. „Die Mutter kannten Sie auch. Der haben Sie vor zehn Jahren in Wanne-Eickel ein V2 gegeben.“ Gerne werden auch dezente Hinweise gegeben: „Er braucht nur noch eine Anwartschaft zum Deutschen Champion.“ Der Ranschmeißer hat keine Freunde. Weder unter den Ausstellern noch unter den Richtern. Er glaubt jedoch unverdrossen an den Erfolg seiner Strategie.

  

Der Jubler

 

Der Jubler kennt keine Hemmungen. Er zelebriert den Erfolg nach festgelegten Ritualen, welche er offenbar den Siegesfeiern bei sportlichen Großveranstaltungen abgeschaut hat. Dabei riskiert der Jubler, dass sein Tun ein wenig aufgesetzt und übertrieben anmutet und zum kollektiven Fremdschämen Anlass gibt. Umstehende wirken etwas irritiert, wenn erwachsene Menschen ob des VV ihres Hundes in der Jüngstenklasse Luftsprünge machen, unter lauten Hurra-Rufen die Faust in den Himmel recken und sich anschließend minutenlang weinend in den Armen liegen. Der völlig überraschte Hund wird hochgerissen und derart mit Küssen überhäuft, dass er gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Der Jubler ist wild entschlossen, diesen grandiosen Triumph bis zum letzten auszukosten. Das ist sein Spiel, das ist seine Bühne, das ist sein Auftritt! Früh genug sitzt er wieder im Reihenhäuschen und Großraumbüro. Während sein Anhang die La-Ola-Welle probt und die Fotohandys zückt, kniet der Jubler nach drei Ehrenrunden in der Ringmitte vor dem Pokal und lässt den Sektkorken knallen. Sonderleiter und Ringsekretär versuchen verzweifelt, ihn aus dem Ring zu tragen, damit der Richter endlich mit der nächsten Klasse beginnen kann. Außenstehende gewinnen beim Anblick des Jublers leicht den Eindruck, er habe gerade den Nobelpreis verliehen bekommen. Auf andere wirkt er wie direkt aus der Geschlossenen entsprungen. Allerdings bleibt dem Jubler der Jubel mitunter im Halse stecken, wenn sich die sicher geglaubte Anwartschaft in der Offenen Klasse nur als schnödes SG1 herausstellt. Oh weh! Dann zeigt der Jubler sein wahres Gesicht. Dann ist die Schau sekundenschnell beendet und der eben noch fast zu Tode geherzte Hund wird plötzlich keines Blickes mehr gewürdigt. Wenigstens kriegt der Hund jetzt wieder Luft! Merke: Wer zu früh jubelt, den bestraft das Leben.

  

Sie glauben, sich oder andere erkannt zu haben? Das kann nicht sein. Der Autor legt Wert auf die Feststellung, dass die geschilderten Charaktere seiner Fantasie entstammen und reine Fiktion sind. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen wäre rein zufällig. Wie dem auch sei: Lassen Sie sich nicht beirren. Nach der Schau ist vor der Schau. In der kommenden Ausstellungssaison sehen wir uns alle wieder. Es erwarten uns schöne Hunde und bewegende Szenen. Viel Erfolg!

 

  

ENDE


 

 

 


 


 

 

 


 

 

 
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